„Eigentlich ist die Entscheidung ja schon gefallen.“ Die Führungskraft sagte das gleich zu Beginn unseres Gesprächs.
Es ging um eine Veränderung im Unternehmen. Die Richtung war vorgegeben. Nun sollte sie umgesetzt werden.
Je länger wir sprachen, desto deutlicher wurde ein Gefühl, das vielen Führungskräften bekannt ist. Die Situation schien vollständig von anderen bestimmt zu sein. Alles Wichtige war bereits entschieden und der eigene Handlungsspielraum wirkte erstaunlich klein. Solchen Situationen begegne ich regelmäßig. Nicht nur in Veränderungsprozessen. Auch bei strategischen Entscheidungen, neuen Anforderungen oder schwierigen Rahmenbedingungen.
Der Blick richtet sich dann fast automatisch auf das, was nicht beeinflussbar ist. Das ist nachvollziehbar. Und gleichzeitig zeigt es unerwünschte Wirkung: Die Energie fließt nach außen. Und mit ihr verschwindet oft ein Teil der eigenen Wirksamkeit.
Dabei geht es nicht darum, die Realität schönzureden. Es geht auch nicht darum, jede Situation als Chance zu betrachten. Manche Entscheidungen sind unpopulär. Manche Veränderungen kommen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Manche Rahmenbedingungen lassen sich schlicht nicht verändern.
Die Frage ist eine andere: Was bedeutet das für meine Rolle? Denn selbst in weitgehend vorgegebenen Situationen bleibt Gestaltung möglich.
Wie spreche ich darüber? Mit meinem Team, mit Kolleginnen und Kollegen. Wofür übernehme ich Verantwortung? Und wo lohnt es sich vielleicht doch, Einfluss nehmen?
Nicht selten verändert sich an dieser Stelle etwas. Die Situation bleibt dieselbe. Die Rahmenbedingungen bleiben dieselben. Und doch entsteht wieder Bewegung. Nicht, weil plötzlich alles möglich wäre. Sondern weil der Blick sich verschiebt. Weg von der Frage: „Warum ist das so?“ Hin zu der Frage: „Was mache ich jetzt daraus?“
Vielleicht gehört genau das zu den unspektakulären Seiten von Führung. Dass wir die Situation nicht immer wählen können, in der wir handeln. Aber wir können beeinflussen, wie wir ihr begegnen.